Mein Manifest: Die unsichtbare Krone der Alltagsheldin
Hallo ihr Lieben!
Wenn mich jemand fragt, was ich beruflich mache, müsste ich eigentlich antworten: Multitasking-Akrobatin mit Spezialgebiet Glukose-Management.
Mein Alltag ist ein Hochseilakt. Gemeinsam mit meinem Mann führe ich unser Business. Wir sitzen, jeder in seinem eigenen Büro, in seinem eigenen Reich. Er ist derjenige, der die Fäden zusammenhält; ich kümmere mich um die Verwaltung, die Buchhaltung und Teile des Verkaufs. Nach außen hin sind wir das perfekte Team, die unerschütterlichen Profis. Doch in meinem Büro spielt sich oft ein ganz anderer Film ab.
Ich bin Ehefrau, Mama, Freizeitsportlerin, die „Chefin“ im Haus und eine echte Powerfrau, die gerne anpackt. Doch es gibt diesen einen stillen Teilhaber in meinem Leben, der nicht nach meinen Regeln spielt: Mein Typ-1-Diabetes.
Das unsichtbare Management:
Der frühe Vogel… – ??? mit welchen Werten ich heute wieder aus der Nacht komme??? – Mein Tag beginnt, wenn der Rest der Welt – und vor allem meine Männer – noch tief und fest schlummern. Diese Ruhe vor dem Sturm ist mir heilig.
Meine Angestellten sehen die taffe Chefin, die Strategin, die Frau, die alles im Griff hat. Was sie nicht wissen: Ich spiele das Leben auf „Level Hard“. Hinter meiner geschlossenen Bürotür finden meine Unterzuckerungs-Dramen im Stillen statt.
Niemand ahnt, welche tägliche Energieleistung es erfordert, mit einem Schwerbehindertenausweis in der Tasche ein Unternehmen zu leiten. Während draußen das Tagesgeschäft brummt, kämpfe ich drinnen mit zitternden Händen gegen den Absturz oder aber auch bei zu viel Stress mit viel zu hohen WErten…Hypo…!!!! . In meinem Business kommt mein Diabetes niemals zum Vorschein – er ist mein privater Endgegner, den ich täglich besiege, ohne dass es jemand merkt.
Der Fels in der Brandung: Mein 17-jähriger Co-Pilot
Ganz anders ist es zu Hause bei meinem Sohn. Er ist 17, mitten in der Pubertät, aber in Sachen Diabetes mein absolut wichtigster Verbündeter. Er ist derjenige, der wirklich hinsieht.
- Der Absturz beim Joggen: Wir starten motiviert. Der Sensor zeigt 240 mg/dL. Ich denke: „Perfekt, die Energie brauche ich.“ Doch der Diabetes lacht nur über meine Planung.
- Die Bank der Rettung: Keine zwei Kilometer später zieht mir der Unterzucker den Stecker. Da sitze ich dann, völlig fertig auf einer Parkbank, weil heute einfach ein „schlechter Tag zum Sporteln“ ist. Hätte ich das mal am Morgen gewusst, als ich vor allen anderen in der stillen Küche saß…
- Sein Moment: Mein Sohn weicht mir nicht von der Seite. Er ist selbstständig, hilfsbereit und wartet geduldig, bis der Saft wirkt. Er ist mein wahrer Business-Partner im Leben.
Die Einsamkeit der Powerfrau: „Selbst ist die Frau“
Und mein Mann? Er ist der Macher im Betrieb, er hält alles zusammen. Aber im Privaten vertraut er fast zu sehr auf meine Stärke. Er fragt mich nie, ob ich genug BEs dabei habe. Warum auch? Die Powerfrau macht das schon. Es ist auch für Ihn zur Normalität geworden..
Es gibt diese Momente am Esstisch, wenn z.B. die Putzsession im Haus, Stress oder Ärger im Business nach einem 14 Stunden TAG den letzten Rest Energie geraubt hat und der Wert bei 40 mg/dL aufschlägt. Wenn ich dann sage: „Hol die Notfallspritze, wenn ich das jetzt nicht in den Griff bekomme“, erst dann setzt das Nachdenken bei ihm ein. Es ist der Moment, in dem die Fassade der „Chefin, die alles regelt“ ob im Privaten oder im Business, kurz bröckelt und er begreift, wie schmal der Grat ist, auf dem ich wandle.
Ich habe mir für diese Momente ein kleines Motto zurechtgelegt, das ich mir immer wieder sage, wenn der Sensor piepst und die Arbeit ruft:
„Eine Alltagsheldin braucht kein Cape – sie braucht ein funktionierendes Messgerät, ein starkes Team im Rücken und den Mut, auch dann die Chefin zu sein, wenn der Zucker gerade Pause macht.“
Mein Fazit für heute
Diabetes im Business & im Privaten „so normalen Alltagsleben“ bedeutet, zwei Jobs gleichzeitig zu machen – und nur für einen wird man bezahlt.
- Stärke braucht keine Zeugen: Dass viele meiner Angestellten nichts wissen, ist meine Entscheidung. Es zeigt, wie professionell wir trotz Handicap agieren können.
- Erzieht euch Verbündete: Mein Sohn ist so empathisch, weil er meinen Kampf sieht. Das ist die wichtigste Lektion, die ich ihm mitgeben kann.
- Macht euch bemerkbar: Auch eine Powerfrau darf sagen: „Ich kann gerade nicht.“ Wir müssen unseren Partnern zeigen, dass wir Unterstützung brauchen, bevor die Notfallspritze zum Einsatz kommen muss.
An alle Business-Ladys und Familienmanagerinnen: Ihr seid Löwinnen! Manchmal sieht die Welt eure Narben nicht, aber das macht euren Erfolg nur noch beeindruckender.
Wie geht ihr damit um? Seid ihr im Job auch die „Unkaputtbaren“ oder geht ihr offen mit eurem Diabetes um? Schreibt es mir in die Kommentare!
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