Die Hitparade der dümmsten Diabetes-Sprüche (und wie IcH überlebe)

(Plopp! 🗯️) Hallo aus dem brennenden Müllcontainer, an dem ich mir gerade die Hände wärme! Ihr kennt das: Man sitzt gemütlich zusammen, vielleicht beim Italiener (Nudel,Pizza schätzen, olé!), scannt unauffällig den Sensor oder zückt den Pen. Und puff – plötzlich mutiert die Tischgesellschaft zu einer Expertenrunde für Endokrinologie.

Seit meiner Diagnose Typ-1-Diabetes (und den anderen Autoimmun-Baustellen, die mein Körper so sammelt wie andere Treuepunkte) habe ich eine beachtliche Sammlung angehäuft. Nein, keine Briefmarken. Sondern Sprüche. Wohlmeinende, ungefragte, absolut absurde Ratschläge von Menschen, deren medizinisches Wissen meistens auf einer Schlagzeile der „Apotheken Umschau“ von 1998 basiert.

Heute teile ich meine „Hitparade der Dummheit“ mit euch. Schnallt euch an, es wird sarkastisch. Aber am Ende… am Ende wird es auch ein bisschen nass um die Augen.


Platz 3: Der Klassiker der kulinarischen Überwachung

„Darfst du das überhaupt essen?“

Gerne gefragt, während ich mir gerade genüsslich eine Gabel Nudeln, ein Stück Kuchen oder – Schockschwerenot – ein Gummibärchen in den Mund schiebe.

Mein innerer Monolog: (Plopp! 🗯️ „Nein, eigentlich nicht. Ich begehe gerade kulinarischen Suizid. Aber danke, dass du mich kurz vor dem Abgrund rettest, du Held der Kohlenhydrate!“)

Die Realität: Ja, verdammt, ich darf. Ich habe Typ 1. Mein Pankreas ist tot, nicht mein Geschmackssinn. Ich muss es nur berechnen und spritzen & das muss ich dann wollen, dann werde ich es TUN. Das ist Logistik, keine Hexerei. Aber danke für die Blumen, ich fühle mich gleich viel normaler, wenn mir jemand beim Essen auf den Teller starrt wie ein Luchs auf eine fette Maus.


Platz 2: Die Bio-Hacker-Fraktion

„Meine Tante/Oma/Nachbarin hat das auch wegbekommen. Du musst nur [beliebiges Superfood einfügen] essen!“

Der absolute Favorit: „Zimt hilft!“ Oder wahlweise: Heilerde, Globuli, Mondwasser, oder nachts nackt um eine Eiche tanzen.

Mein innerer Monolog: (Plopp! 🗯️ „Ach was! Zimt? Dass da noch kein Nobelpreisträger draufgekommen ist! Ich werfe sofort mein Insulin weg und inhaliere eine Packung Cumarin. Wer braucht schon eine funktionierende Bauchspeicheldrüse, wenn er Gewürze hat?“)

Die Realität: Leute, Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung. Mein Körper hat die Zellen, die Insulin produzieren, zerstört. Die kommen nicht wieder, auch nicht, wenn ich mich ausschließlich von Zimtschnecken ernähre (obwohl das ein schöner Tod wäre). Eure Tante hatte wahrscheinlich Typ 2, und ja, da kann Ernährung viel bewirken. Aber verwechselt bitte nicht Äpfel mit totgeborenen Pankreas-Zellen. Danke.


Platz 1: Die Mitleids-Nummer

„Oh Gott, du Arme! Das könnte ich ja nie. Spritzen? Horror!“

Oft begleitet von einem mitleidigen Blick, der signalisiert, dass mein Leben eigentlich vorbei ist und ich nur noch als wandelnde Mahnung für die Zerbrechlichkeit des Seins existiere.

Mein innerer Monolog: (Plopp! 🗯️ „Stimmt, du hast recht. Ich sollte mich einfach hinlegen und sterben. Ist ja auch viel bequemer, als sich täglich mehrmals pieksen zu müssen, um nicht ins Koma zu fallen. Was bin ich nur für eine Masochistin!“)

Die Realität: Was heißt hier „nie“? Wenn die Alternative „Sterben“ ist, glaub mir, du würdest es. Du würdest es schneller lernen, als du „Zimt“ sagen kannst. Es ist kein Horror, es ist mein Ticket zum Überleben. Es ist mein Weg, trotz 60-Stunden-Woche, wirtschaftlicher Not und Cortisol-Achterbahn, jeden Tag aufzustehen und mein Ding zu machen. Spart euch das Mitleid. Respekt wäre cooler.


Der Moment, in dem der Sarkasmus Pause macht

Ja, ich lache darüber. Ich muss lachen, um nicht zu weinen. Sarkasmus ist mein Schutzpanzer, mein Pokerface, wenn mir die Dummheit der Welt mal wieder zusetzt. Aber es gibt Momente, da bröckelt dieser Panzer.

Es gab diese eine Nacht. 4 Stunden Schlaf, der Blutzucker im Keller, ich zitternd in der Küche, den Apfelsaft in der Hand. Die Angst vor dem Hypo, die Erschöpfung der letzten Wochen, die Sorge um das Geschäft – alles kam hoch. Ich saß auf dem Boden und weinte. Nicht wegen des Piekens. Sondern wegen der Last. Wegen des Gefühls, gefangen zu sein in einem Körper, der ständig neue Regeln aufstellt.

In diesem Moment, da gibt es keine coolen Sprüche. Da gibt es nur die nackte, verdammte Wahrheit: Es ist hart. Es ist einsam. Und ja, ich bin gerne alleine, und das hat nichts mit Einsamkeit zu tun, aber in diesen Momenten wünscht man sich einfach, dass jemand da ist, der wirklich versteht. Der nicht fragt: „Darfst du das?“, sondern einfach die Hand hält und sagt: „Ich weiß, es ist scheiße. Aber du bist nicht allein.“ 🙂

Das Leben ist ein brennender Müllcontainer. Aber manchmal, ganz selten, kommt jemand vorbei und wirft eine Decke drüber. Und das ist dann keine Heilung, kein Zimt-Wunder. Aber es ist Trost. Und das ist verdammt viel wert.

I do it!


Und ihr? Welchen absurden Ratschlag musstet ihr euch schon anhören? Welcher Spruch hat euch zum Lachen gebracht – oder zum Weinen? Teilt eure Hitparade in den Kommentaren!


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