Diabetes in der Liebe (und anderen Beziehungen)

Die große Enthüllung: „Mein Pankreas ist im Streik!“

„Jeder zeigt (angebliches) Verständnis – aber was ich wirklich selbst fühle?!“ Genau das ist der Punkt. Sie können sich Sorgen machen, Ratschläge geben, aber sie können nicht fühlen, wie es ist, wenn der Zucker Achterbahn fährt oder die Angst vor einem Hypo nachts am Bett steht. Das zu vermitteln, ist eine der größten Herausforderungen in Beziehungen mit Diabetes. Ich habe gelernt, dass sie es wirklich gut meinen, aber meine inneren Schlachten muss ich alleine schlagen. Und das ist auch okay so.

Blutzucker-Liebe auf Italienisch: Die Nacht des Grauens

Erinnert ihr euch an den Urlaub? Ich war ja so optimistisch! Nach den leckeren Nudeln in Italien dachte ich noch: „Das passt schon!“ Mein Partner lächelte mich selig an, während ich meine geschätzte Insulinmenge spritzte. Was dann kam, war eine Nacht zum Vergessen. Mein Blutzucker? Der feierte eine ausgelassene, wilde Party bei 380 mg/dl und lud alle seine Zuckerfreunde ein. Ich war dehydriert, genervt und fühlte mich wie ein Ballon, der jeden Moment platzen könnte.

Mein Partner, der eigentlich süße Träume haben sollte, wurde unfreiwillig zum nächtlichen Blutzucker-Krankenpfleger. Wasser reichen, Sorgenfalten auf der Stirn, dann durfte er sich wieder in Träumen wiegen und ich, die ich am liebsten unsichtbar gewesen wäre. Romantisch? Nicht wirklich. Unvergesslich? Absolut! Und es zeigte mir: Diabetes ist kein Einzelkämpfer, er nimmt die ganze Mannschaft mit ins Boot – ob sie wollen oder nicht.

Vom Gipfel zum Gummibärchen: Wenn ich die MTB-Touren ausbremse

Ich liebe auch Mountainbiken! Die Freiheit, den Wind in den Haaren, die Herausforderung. Aber mit Diabetes gibt es da diese kleinen… Unterbrechungen. „Lass uns noch diese eine Steigung nehmen!“, ruft meine Gruppe euphorisch. Und ich? Ich sitze am Wegesrand, blass und zitternd, mein Mund voller Dextro Energy Liquid Gels oder Apfelsaft. „Ich bin diejenige, die alle ausbremst. Zum Kotzen!“

Die Sprüche der Freunde sind dann oft: „Ach, kein Problem! Wir warten doch gerne!“ Aber ich sehe die Blicke, die ungesagten Gedanken. Das Verständnis ist da, ja. Aber die Frustration, der eigene Ärger darüber, dass mein Körper gerade nicht mitspielt, ist meine ganz persönliche Last. Dieses Gefühl, die Spaßbremse zu sein, nagt manchmal mehr als jeder Unterzucker. Ich versuche dann, es mit Humor zu nehmen: „Seht es positiv, ihr bekommt eine unfreiwillige Trinkpause!“

Die Goldstücke im Chaos: Warum sie unersetzlich sind

Trotz aller Herausforderungen sind diese „meine Menschen“ Gold wert. Sie sind (nicht immer) da, wenn der Blutzucker im Keller ist und ich nicht mehr klar denken kann. Sie lernen mit mir, wie man das Glukagon-Notfall-Set benutzt. Sie hören zu, wenn ich frustriert bin. Und sie akzeptieren, dass mein Leben nun mal ein bisschen anders ist. Ihre Unterstützung ist keine Last, sondern ein Geschenk.

Sie sind die, die beim Restaurantbesuch leise fragen, ob ich schon gespritzt habe, anstatt mich vor allen zu fragen. Die, die beim Sport unaufgefordert meine Dextro-Gels oder auch mein MessSet in ihrer Tasche mittragen. Die, die mich nicht auf meine Krankheit reduzieren, sondern mich als die Person sehen, die ich bin – nur eben mit einem etwas launischeren Pankreas.


Diabetes in der eigenen kleinen Familie – ist eine echte Teamleistung. Es ist chaotisch, manchmal frustrierend, aber auch voller Liebe und Verständnis. Wir wachsen zusammen, lachen über die absurdesten Situationen und lernen, dass die Liebe auch dann standhält, wenn der Zucker mal wieder Achterbahn fährt.

Und ihr? Welche lustigen oder herausfordernden Momente habt ihr in Beziehungen mit Diabetes erlebt? Wie geht ihr mit der Sorge eurer Liebsten um, und was schätzt ihr an ihrer Unterstützung am meisten? Erzählt mir eure Geschichten!


Kommentare

4 Antworten zu „Diabetes in der Liebe (und anderen Beziehungen)“

  1. Ich habe Diabetes bekommen, gleichzeitig mit einer neuen Arbeitsstelle. Es war zum Glück Diabetes 2, also leichter handhabbar. Aber im Job war es schlimm. Ich schwitzte immer sehr, mein Gedächtnis ließ nach bis zu leichter Demenz. Ein Kollege spendete Eis. Danach begann ich noch viel mehr zu schwitzen. Das war noch vor der Diagnose, aber ein Zeichen.Ich verlor die Arbeit nach einem halben Jahr, Ich machte extrem viele Fehler, als technischer Redakteur. Pro Seite 2…3 Fehler etwa. Es war nichts wirklich gefährliches dabei, aber zu viel. Es stieg auch noch an, als ich Strategien versuchte, es zu verbessern. In der Zwischenzeit fand ich eine der Ursachen. Es war die Low-Fat (wenig-Fett-Kampagne. Und die These: Vollkornmehl sei gesund, ich müsse nur Zucker reduzieren.Meine Langzeitwerte lagen um 9.Ich sollte auf 7…8 eingestellt werden und bekam übliche Medikamente. Dann fand ich die richtigen Hinweise: Low Carb (wenig Kohlenhydrate) statt Fett. Ich drehte die Ernährungspyramide um, die in Wahrheit krank macht, wenn man u Diabetes neigt.Brot reduzierte ich stark (1/2 Scheibe zum Frühstück), Fett erweiterte ich. Empfohlen wurde fettarmer Joghurt, ich nahm fettreichen. Und viel Butter. Und fettes Fleisch, statt mageres. Und weniger kohlenhydratreiche Pflanzen. Ein kleiner Apfel am Tag kann gesund machen, aber mehrere machen krank. Meinen Hba1C-Wert senkte ich auf 5,9…6,3. Und ich nahm ab. die vorhergehende Diät brachte mich von 108…109 kg auf ca. 97 kg. Die Low Carb-Diät auf 88 kg. Ade Adipositas und Diabeteswerte sind wieder im Prädiabetischen Bereich. Keto habe ich nicht probiert, das ist nicht praktikabel. Es ist auch so schwer, anderen zu erklären, dass viel Fett schlank macht und wenig Fett fett.Ich esse weiter Mischkost, habe aber die Sachen stark verändert. Brot backe ich seit 8 Jahren selbst. In Brot und Brötchen wird fast immer Zucker zugesetzt.Ich koche auch selbst. Das ist sehr von Vorteil. Aber ich betreibe es nicht als Religion. Und: ich versuche gegen 18 Uhr Abendbrot zu essen, was auf viel gesellschaftlichen Widerstand stößt. Ich mache gemäßigtes Intervallfasten.Meine Frau zieht mit, seit sie die Logi-Methode gelesen hat. Die mache ich zwar nicht, hat aber ähnliche Prinzipien.PS: Meine Kollegen sagten mir nichts, aber ich wurde zu meinem Chef gerufen, sie hatten sich wegen meinem Schwitzen bei 28 Grad im Zimmer beschwert. Und er empfahl mir Deos, die ich wegen meiner Haut nicht nehmen konnte. In der Zeit musste ich auch oft zum Arzt, und es war Probezeit. Der Rauswurf war fast Erlösung. Ich war hinterher lange krank. Die eigentliche Lösung war Umdrehen der Nahrungspyramide und ignorieren der früheren Empfehlungen.Ich hoffe, es war nicht zu lang.Viele Grüße von Bernd und gute Besserung und Gesundheit.PS: Vor der Umstellung hatte ich immer Hunger, jetzt nicht mehr.

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    1. „Lieber Bernd,

      vielen Dank für deine Nachricht und dass du deine Geschichte so offen mit mir teilst. Es ist wirklich beeindruckend zu lesen, welchen Weg du hinter dir hast – auch wenn die Zeit im Job und die Phase vor der Diagnose sicher wahnsinnig anstrengend und belastend für dich waren.

      Es tut mir leid zu hören, dass es damals im Büro so schwierig war und deine Kollegen so wenig Verständnis gezeigt haben. Dass der Abschied dort am Ende fast wie eine Erlösung war, kann ich nach dem, was du beschreibst, absolut nachempfinden. Manchmal ist ein Cut notwendig, um sich wieder ganz auf die eigene Gesundheit konzentrieren zu können.

      Dass du dich nicht mit den Standard-Empfehlungen zufrieden gegeben hast, sondern selbst aktiv geworden bist, finde ich klasse! Es gehört viel Disziplin dazu, die Ernährung so konsequent auf Low Carb umzustellen und sogar sein Brot selbst zu backen. Deine Werte (von 9 auf unter 6,3!) und die Gewichtsabnahme sprechen ja absolut für dich – das ist ein riesiger Erfolg, auf den du stolz sein kannst. Es ist faszinierend, wie sehr die richtige Ernährung (und das Fett als Energielieferant) den Hunger und die Lebensqualität verändert. Auf den eigenen Körper zu hören – ist da bin ich voll bei DIR sooooooooooooooooooo…. wichtig!

      Schön auch, dass deine Frau dich so unterstützt und ihr da an einem Strang zieht. Das macht im Alltag sicher vieles leichter.

      Vielen Dank für die wertvollen Impulse und die guten Wünsche! Ich wünsche dir und deiner Frau weiterhin alles Gute, viel Gesundheit und dass du deine Werte so stabil hältst. Wir lassen uns einfach nicht unterkriegen 🙂 ..ich freue mich natürlich, wenn wir uns mal wieder hören…alles GUTE für DICH auch im neuen Jahr 2026.“ Sorry bitte noch – für die so späte Rückmeldung…in der Zeit des Jahreswechsels, bleibt mir hier leider kaum Zeit um mich um meine „privaten Dinge“ zu kümmern. Herzlichst. Simone

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      1. Avatar von hutschi

        Danke sehr. Aber der eigene Körper reichte nicht, um Ursachen zu finden. Es war an der Basis: Low Fat-Ideologie und -Empfehlung über Jahrzehnte. „Fett macht fett“ war das schlimmste Mem aller Zeiten. Als ich die Pyramide umdrehte, stieß ich oft auf Unverständnis. Ohne Statistiken und ohne Low Carb wäre es nichts geworden. Und da mache ich es noch nicht mal strikt.

        Der Beginn war ja nicht „low carb“ sondern „Selbst Kochen“ und Frühstück nicht mehr Hauptmahlzeit. Auf Arbeit merkte ich, dass ich viel weniger Hunger hatte, wenn ich früh „ungefrühstückt“ aus dem Haus ging und im Betrieb Kaffee trank. Aber heute bin ich ja Rentner.

        Viele Grüße und schöne Winterzeit.
        Bernd.

        Meine letztes Keks-Rezept. (Nicht gerade völlig low carb, aber relativ, denn man bekommt nicht Hunger hinterher.)

        Dattel-Mandel-Plätzchen
        (von Mersu abgeleitet, statt Pistazien Mandeln)

        Zutaten

        • 200 g Datteln, entsteint
        • 200 g Mandeln, gemahlen
        • 400 g Emmermehl
          (alternativ: Einkornmehl oder Dinkelmehl)
        • 2 große Eier
          (oder 3 kleine)
        • 300 g Butter, zimmerwarm
        • 1 Prise Salz
        • optional: etwas Zucker (nicht nötig, besser ohne)

        Zubereitung

        1. Datteln fein schneiden
          Möglichst klein, damit sie sich gleichmäßig im Teig verteilen.
        2. Teig herstellen
          Alle Zutaten zu einem glatten Teig verkneten.
          Am besten mit einer Küchenmaschine etwa 15 Minuten kneten.
          Die Butter sollte geschmeidig sein – nicht kalt, nicht flüssig.
        3. Formen
          Vom Teig jeweils etwa 20 g abnehmen, zu Kugeln rollen und leicht flachdrücken.
          Nach Belieben mit kleinen Messerschnitten verzieren.
        4. Backen
          Im vorgeheizten Ofen bei 160 °C ca. 15 Minuten backen.
          Entscheidend ist der Ofen:
          Die Plätzchen sind fertig, wenn sie unten leicht gebräunt sind.

        Hinweise

        • Die Datteln reichen zum Süßen vollständig aus.
          Zusätzlicher Zucker ist nicht nötig, aber optional möglich.
        • Nach dem Backen zunächst weich, reifen die Plätzchen beim Lagern nach
          – ähnlich wie klassische Weihnachtsplätzchen.
        • In einer Keksdose oder abgedeckten Schüssel aufbewahren.

        (Beim Formatieren half mir KI, Zutaten von mir, wenn man auf Mehl verzichten will, kann man auch Süßspeisen draus machen. Bei der Logi-Methode entscheidet nicht der Gehalt, sondern die Menge, die man isst.)

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      2. Ohhh vielen DANK :-)….

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