Oder, wie ich in der Bar unfreiwillig zur Aufklärungsbeauftragten wurde
(Plopp! 🗯️) Ach, Abende unter lieben Freunden in einer fremden Stadt! Man kennt das: Die Stimmung ist ausgelassen, die Musik pumpt, und das Leben fühlt sich leicht und unbeschwert an. So war es auch an diesem denkwürdigen Abend. Wir waren in einer neuen Stadt unterwegs, hatten uns in einer Bar festgequatscht und beschlossen, noch einen Absacker zu nehmen. Die Drinks flossen (natürlich, meine, in Maßen und berechnet!), die Gespräche sprudelten, und ich hatte die Zeit meines Lebens.
Viel zu gute Zeit, wie sich herausstellen sollte. Denn irgendwann, mitten im Lachen und Quatschen, überfiel mich die Erkenntnis, die wie ein Blitz aus heiterem Himmel kam: „Meine Lantus-Spritze!“ Die war längst überfällig! Meine Langzeitinsulin-Dosis, die ich normalerweise mit militärischer Präzision immer fast zur gleichen Zeit spritze, hatte ich in meinem Partymodus komplett vergessen. Ups!
Die Mission: Lantus spritzen – Das Problem: Eine sehr öffentliche Toilette
Panisch entschuldigte ich mich bei meinen Freunden und stürmte Richtung Toiletten. Mein Blick auf die Uhr ließ meinen Blutzucker kurzfristig höher schnellen als die Musik in der Lokation: Ich war schon ziemlich spät dran! Ich brauchte jetzt einen ruhigen Ort, eine saubere Oberfläche und ein bisschen Privatsphäre.
Was ich fand, war das genaue Gegenteil. Die Damentoilette war überfüllt. Nicht nur die Kabinen, sondern auch der gesamte Vorraum wimmelte von Mädels, die sich im Spiegel zurechtmachten und sich lautstark über den Abend unterhielten. Perfekt! Ich quetschte mich an Waschbecken vorbei und suchte verzweifelt nach einer Ecke, die nicht von Menschen oder Papiertüchern belegt war.
Neugierige Blicke und die große Frage: „Was machst du da?!“
Ich versuchte, möglichst unauffällig zu sein, was mit einem Insulinpen in der Hand in einem überfüllten Club-Klo-Vorraum ungefähr so unauffällig ist wie ein Elefant im Porzellanladen und setzte am Oberschenkel an. Und genau in diesem Moment bemerkte ich die neugierigen Blicke im Spiegel.
Zwei Mädels, die sich gerade die Lippen nachzogen, verstummten. Ihre Augen waren groß wie Untertassen. Sie musterten mich, meinen Pen, meine Handbewegung. Ich versuchte, cool zu bleiben, spritzte routiniert und zog die Nadel heraus. Dann kam die Frage, die in der Lautstärke fast unterging, aber meine Ohren erreichte wie ein Donnerschlag:
„(Plopp! 🗯️) Ähm… Entschuldigung, wenn das zu persönlich ist, aber… was spritzt du dir da?„
Oh, der Moment! Die Stille, die darauf folgte, war so dicht, dass man sie hätte schneiden können. Die anderen Gespräche im Raum verstummten, alle Augen waren auf mich gerichtet. Es war klar, dass sie sicherlich nicht wussten, was ich mir dort injezierte. Ihre Gesichter schwankten zwischen Sorge, Verwirrung und einer Prise Sensationslust. War ich eine Drogenabhängige? Eine geheime Agentin, die sich ein Antiserum spritzte? Die Möglichkeiten waren endlos.
Die unfreiwillige Aufklärungsstunde im Klo
Ich hatte zwei Möglichkeiten: Panisch flüchten oder die unfreiwillige Aufklärungsbeauftragte spielen. Ich entschied mich für Letzteres.
„Keine Sorge, Mädels!“, sagte ich und versuchte, so souverän wie möglich zu wirken, während mein Herz noch vom Fast-Hypo-Alarm raste. „Das ist nur Insulin. Ich habe Diabetes Typ 1, und mein Körper produziert selbst keines mehr. Das ist meine Medizin, die ich mir spritzen muss, damit mein Zucker nicht explodiert.“
Ich zeigte auf meinen Sensor am Arm. „Das hier misst meinen Zucker. Und das da,“ ich hielt den Pen hoch, „ist mein Retter in der Not.“
Die Erleichterung in ihren Gesichtern war fast greifbar. Ein leises „Ahhh“ ging durch den Raum. Eine der Mädels traute sich noch zu fragen: „Und das musst du immer machen?“ Ich nickte. „Jeden Tag, mehrmals.“
Die Stimmung lockerte sich wieder. Ein Mädchen sagte: „Krass, das wusste ich nicht.“ Eine andere meinte: „Respekt, dass du das so machst!“ Ich lächelte. Der Moment der Peinlichkeit hatte sich in eine kleine Lektion über Diabetes verwandelt. Und meine Lantus-Dosis war endlich drin. Puh!
Fazit: Das Leben schreibt die besten Zuckerkurven
Dieser Abend hat mir mal wieder gezeigt: Mit Diabetes erlebt man die schrägsten Situationen. Und auch wenn ich mich in dem Moment am liebsten in Luft aufgelöst hätte, bin ich am Ende stolz. Stolz darauf, dass ich mein Ding mache, auch wenn es unbequem ist. Und stolz darauf, dass ich vielleicht ein kleines bisschen Aufklärung betreiben konnte – mitten in einem lauten Club-Klo, wo die meisten Leute wahrscheinlich nur damit beschäftigt waren, ihren Lippenstift nachzuziehen.
„Das Leben ist wie eine Kamera: Fokussier dich auf das Wichtige, halte die guten Zeiten fest, entwickle aus den Negativen und wenn es mal nichts wird, mach einfach ein neues Bild.“
Habt ihr auch solche Momente erlebt, in denen ihr unfreiwillig zur „Diabetes-Aufklärungs-Kraft“ wurdet?
Oder welche lustigen/herausfordernden Situationen habt ihr beim Spritzen in der Öffentlichkeit erlebt? Erzählt mir eure Geschichten!



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